Seit die Industrialisierung weltweit Einfluss nimmt und gebundener Kohlenstoff in Form von Erdöl, Erdgas und Kohle als Massenressource verwendet wird, erwärmt sich unser Klima beunruhigend schnell. Welche Folgen der Klimawandel für uns haben wird, hängt ausschließlich von der Masse an emittierten Treibhausgasen ab und welche Temperaturerhöhung diese auslösen. Globale Veränderungen dieser Art stellen uns vor neue Herausforderungen: Welche Szenarien erwarten uns, wenn sich unser Klima derart schnell erwärmt?

Der Verlust von Eismasse

Die Durchschnittstemperatur auf der Erde ist in den letzten 80 Jahren um 1,1 °C gestiegen. Das wärmere Klima erwärmt ebenfalls die Ozeane: das Oberflächenwasser hat sich durchschnittlich um 0,8 °C aufgeheizt. Daraus resultiert die wohl bekanntesten Folge der Erderwärmung: das Schmelzen von Eis. Die Gletscher der großen Gebirgsketten schmelzen ab und das Meereis der Polkappen schwindet beängstigend schnell. 40 % an Eismasse ging allein in den letzten 30 Jahren an Nord- und Südpol verloren und die Alpen haben seit der Industrialisierung rund die Hälfte ihres Eises verloren. Durch den Verlust von Eismasse, besonders Meereis, wird weniger Sonnenlicht reflektiert. Je mehr Eis schmilzt, desto schneller erwärmt sich das Klima.

Meeresspiegelanstieg

Der daraus resultierende Anstieg des Meeresspiegels gefährdet besonders die dicht besiedelten Küstenregionen. Etwa 10% der Bevölkerung lebt in Küstennähe, keine zehn Meter über dem Meeresspiegel. Millionenstädte, darunter New York, Tokio und Shanghai, werden bei einem drastischen Anstieg gänzlich unbewohnbar. Zu den am schwersten bedrohten Regionen zählen Entwicklungsländer, wie zum Beispiel Indonesien oder Bangladesh. Dort liegen etwa 17% der Landesfläche unter einem Meter über dem Meeresspiegel. Finanzielle Mittel, um Küstenschutz zu gewährleisten und staatliche Umsiedlungen durchzuführen, sind nicht vorhanden. Ein Anstieg des Meeresspiegels um nur wenige Meter würde in knapp eine Milliarde Klimaflüchtlinge resultieren.

Schäden an Ökosystemen und resultierender Artenverlust

Unsere Ozeane binden CO₂ in Form von Kohlensäure (H₂CO₃). Mit steigendem Gasgehalt in der Atmosphäre sinkt der pH-Wert des Wassers und es kommt zur Übersäuerung der Ozeane. Korallenriffe gelten als besonders empfindlichen Ökosysteme, die sowohl eine enorm wichtige Rolle im Küstenschutz, als auch als Heimat zahlloser Tierarten spielen. Korallen, Muscheln und alle Lebewesen, die eine Kalkschale aus Calciumcarbonat (CaCO₃) bilden, sterben durch die Übersäuerung und die Anoxie (Sauerstoffmangel). Sie fehlen somit in der Nahrungskette anderer Tiere und als Schadstofffilter der Ozeane. Seit 2016 sind mehr als die Hälfte der Korallen des Great Barrier Reefs abgestorben. Die Artenvielfalt dieser Ökosysteme reduziert sich drastisch.

Neben Korallenriffen sind viele weitere Ökosysteme durch die stetige Temperaturerhöhung bedroht. Die Fläche der tropischen Regenwälder von Costa Rica schwindet aufgrund der ständiger Trockenheit. Besonders trifft es auch die arktischen und alpinen Regionen. Durch fehlendes Meereis verliert der Eisbär sein Jagdrevier und verhungert. 2004 ergab eine Studie von Chris D. Thomas in Nature eine geschätzte Artenverlustsrate von 9-52%, je nach Emissionsrate. Die mittlere Prognose liegt bei 24%. Ein solcher Verlust kann als Massensterben der Erdgeschichte bezeichnet werden. Die Ökosysteme unserer Erde sind derart rapiden Klimaveränderungen nicht gewachsen. Anthropogene Klimaveränderungen erfolgen viel schneller, als die natürliche Anpassung der Flora und Fauna an ihre Umgebung.

Wetterextreme - eine Normalität

Am deutlichsten zu spüren werden jedoch Wetterextreme sein. Bei einem Temperaturanstieg von 1°C kann Luft bis zu 7% mehr Wasser aufnehmen. Aufgrund des erhöhten Wassergehaltes wird sich die Lage der Trockenregionen verschieben. Die Niederschlagsmuster verändern sich, sowohl Trockenheit, als auch Niederschläge werden verstärkt. In Trockenregionen wird es noch trockener und Feuchtgebiete werden mit Überschwemmungen zu kämpfen haben. Extremphänomene, wie Wirbelstürme, Hitzeperioden und Waldbrände werden zur Normalität.

Auswirkungen auf Mensch und Wirtschaft

Durch extreme Dürren und das Schmelzen von Gletschereis werden besonders Trinkwasserquellen stark reduzieren, was zu drastischer Wasserknappheit führen würde. Mit dem globalen Bevölkerungswachstum, internationalen Konflikten um Trinkwasser und Flüchtlingsströme aus dürren oder überfluteten Gebieten stehen wir vor nie dagewesenen Problematiken, deren Auswirkungen auf Wirtschaft und Gesellschaft wir nicht vorhersehen können. Fakt ist, unsere Wirtschaftswachstum wird stark an den Folgen des Klimawandels leiden. Je mehr Treibhausgase wir emittieren, desto extremer werden diese Auswirkungen auf uns Menschen und auf das empfindliche Gleichgewicht der Natur sein. Unser Treibhausgas-Budget der Atmosphäre sinkt stetig und um eine Temperaturerhöhung auf wenige Grad zu beschränken, muss der Kurs geändert werden.